Liebe Freunde des Taschenbuchladens,
Ach, soviel ist nun schon passiert in unserem Buchhandlungsdasein, seitdem wir uns das letzte Mal bei Ihnen gemeldet haben. Der Abstand zum letzten Newsletter war nun doch ein bißchen zu groß. Aber wir hatten wirklich viel zu tun mit den Schulbüchern und ich persönlich damit, meine Wohnung schick zu machen. Deswegen gabs auch keine selbst gebackenen Kekse zur letzten Kultur zum Mittag, denn mit dieser schönen kulturellen Mittagsauszeit haben wir nach der Sommerpause schon begonnen.
Unsere Josy (mit ihrer Aureli im Arm- so rührend) hat zum letzten ihr Buch „Edith Weiss-Mann – Unser geistiges Leben wurde gemordet!“ vorgestellt. Das erscheint jetzt gleich und wir freuen uns sehr mit ihr über diese Publikation.
Der nächste Kultur zum Mittag Termin ist der 6.10. und hach, da haben wir wieder einen so großartigen Überraschungsgast für Sie.
Für unseren ersten Lyriksalon der neuen Spielzeit am 22.9. gibt es nur noch ein paar Restkarten. Der „Club der toten Dichter“ ist das Thema und ja, in Anlehnung an den Film gibt es englische Poesie ganz im romantischen Sinne zu hören. „O Captain! Mein Captain!“ – man hat die Szenen, wo die Schüler auf dem Stuhl stehen und Gedichte rezitieren, vor Augen…
Dass unser Jaroslav Rudis ein neues Buch hat, das sieht man schon an den Plakaten, die so schön sichtbar an den Lichtmasten hängen. Und dass wir uns auf unsere Lesung am 22.10. freuen, ist wohl ziemlich klar. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Jens hat das Buch schon gelesen und ist in voller Vorfreude auf die Veranstaltung. Mit einem Saab von Friedhof zu Friedhof reisen – skurril schönste Geschichte – versprochen.
Der jährliche Buchpreis ist immer wieder eine spannende Angelegenheit für uns Buchhändler und für das geneigte Lesepublikum und in diesem Jahr haben wir uns über die Longlist sehr gefreut. Feine Auswahl, so fanden wir und seit Dienstag ist die Shortlist bekannt. Ich drücke die Daumen für Peggy Mädler und für ihr Buch „Selbstregulierung des Herzens“. Ich hab es sehr gern gelesen. Es erzählt ein Stück DDR Geschichte, ein Stück Wendegeschichte und die Jahre danach und von Georg, einem hoffnungsfrohen Kybernetiker und Mira, einer Künstlerin.
Dass wir nun auch in die Kalendersaison 2027 starten liegt unter anderem an den Pfefferkuchen, die schon überall zu finden sind. Spät fand ich für dieses Jahr :)) Meine persönlichen KalenderLieblinge sind wieder sehr schön geworden: Der Aufbau LiteraturKalender, die Literarische Ostsee, Der Literarische Katzenkalender (mein Hausherr ist diesmal im gleichnahmigen Taschenkalender vertreten)… Und zudem erwarten wir ganz wirklich eine Explosion des literarischen Buchherbstes. All unsere Lieblingsautoren wie Dörte Hansen, Sven Regener, Ingo Schulze, Jarka Kubsova, Elke Heidenreich, Juli Zeh und Daniel Kehlmann schenken uns mit ihren neuen Büchern einen schönen Bücherherbst und wir freuen uns sehr aufs Lesen. So nach und nach werden wir auch darüber erzählen. Na klar. Und auch über die schönen Bücher unserer geliebten unabhängigen Verlage. Da ist (nur beispielsweise) von den Verbrecherverlegern Jörg Sundermeier und Kristine Listau der „Kalender der Flüche“ erschienen. Sie erinnern sich vielleicht an unseren schönsten Verlagsabend und die Kultur zum Mittag mit den beiden im Frühjahr? Sehr erfrischend und schön war beides. Und der Kalender ist sehr witzig…
Und unsere „Marthe“ wird 20. Das feiert der Verlag und wir zusammen mit der Stadt Freiberg und vor allem mit Sabine Ebert und einem neuen Marthebuch. Ja, im November wird es einen neuen Hebammen-Band geben! Damit will der Verlag den 20. Jahrestag des Starts der Hebammenreihe würdigen und Sabine natürlich auch. Im Herbst 2006 erschien der erste Roman „Das Geheimnis der Hebamme“ und der begeisterte das Publikum und die Freiberger dermaßen, dass daraus eine unglaubliche Erfolgsgeschichte wurde, die bis heute anhält. „Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme“ wird nicht die direkte Fortsetzung des fünften Bandes, mit dem war ja die Geschichte abgeschlossen, sondern hier blickt Marthe auf Lebensstationen zurück, die in den Romane nicht vorkommen – ihre Kindheit, die Zeiten zwischen den einzelnen Büchern, ihre Reise mit Lukas ins Heilige Land, ihre späten Jahre… Die Buchpremiere ist am 8.11. 11 Uhr in der Nikolaikirche und Karten dafür gibt es ab 15.9. bei uns und in der Touristinformation am Schlossplatz.
Ach, wir freuen uns auf ALLES und grüßen sehr frohgemut aus dem Taschenbuchladen Heike, Martina und Jens und auch Josy
PS: Dass die Band „Keimzeit“ eine enge Beziehung zur Freiberg und dem Tivoli hat, das wissen ganz sicher die meisten von ihnen. Am 19.12. wird ihr 30. Jubiläumskonzert stattfinden und Karten gibt es natürlich auch bei uns. Aber dass die Jungs um Norbert Leisegang immer wieder auch Projekte in Freiberg unterstützen, das wollen wir hiermit nochmal mitteilen. Wir helfen nämlich dabei. Zum Jubiläumskonzert gibt es schicke Tshirts (plus Autogrammkarte und Schlüsselband) in allen Größen bei uns, deren Erlös unserem Tierpark gespendet wird. Herrlichst, oder?
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Neues Lieblingsbuch von Heike
Anousch Müller „Lori“
„Jeder im Dorf wusste: Wer auf den Bahnhof zog, hatte etwas auf dem Kerbholz. Es hatte immer Gerüchte gegeben. Dass Mama und Papa Spione seien, waren das Beliebteste, auch unter meinen Geschwistern.“ Lenis Erzählung beginnt in der Mitte der Neunziger Jahre, springt zurück in ihre Kindheit, in die Siebziger und Achtziger Jahre der DDR und vorallem in ihre Leerstelle. Sie ist große Schwester von 5 Geschwistern, Tochter eines eines liebevollen Vaters und einer abwesend scheinenden Mutter. Von Anfang an ist relativ klar, dass ein Kind verloren gegangen ist. Und das warum ist nicht das einzige Geheimnis der Eltern. Leni versucht sich zu erinnern, schmerzvoll oft, versucht Klarheiten zu finden, aufzuklären, sehr beharrlich und die Leerstelle zu füllen, die sie ihr ganzes Leben schon begleitet. Und das erzählt Anousch Müller sehr sehr schön, finde ich. Ganz bei Leni ist man, möchte sie umarmen für ihren Kummer, versteht den Vater und die Mutter auch. Sehnsüchte in solch berührende Worte und Sätze fassen, das ist feine Literatur. Wie Puzzleteile kommen ihre Sätze daher, die sich so schön zusammenfügen. Wie letzten Endes die Geschichte der Familie sich auch zu einem Bild zusammenfügt und zwei DDR Schicksale erzählt.
| Neues Lieblingsbuch von Martina Eva Lohmann „Etwas Leichtes“ Das Buch handelt von Leo. Leo, deren Ehe gerade beendet ist, nicht weil es etwa an Liebe fehlte, sondern am Kinderwunsch von Leo. Jetzt ist sie auf der Suche nach etwas Leichtem, wo das Leichte doch im Alltag so leicht verloren geht. Leicht, weil ohne Verpflichtungen, ist es zum Beispiel mit dem Gemüsehändler Adam, der sich einmal die Woche zu ihr kuschelt. Leicht ist es auch mit Frederic dem deutschen Riesenschecken, den Leo in dem Tierasyl, in dem sie arbeitet, betreut und dem sie eigentlich auch verfallen ist :)) Eigentlich weiß Leo schon, was sie will. Aber ihre Freundin und ihre eher miteinander unglücklichen Eltern meinen das auch bzw. besser zu wissen. Doch welcher Lebensentwurf ist der richtige? Gehört ein Mann, gehören Kinder, eine Familie zum Glück? Welchen Rollenbildern ist sie ausgeliefert und wie kann sie ihren Weg verfolgen? Ihrer Freundin zuliebe trifft sich Leo über eine Dating-App mit verschiedenen Männern und eigentlich hätte da auch was gehen können. Und dann trifft sie Heide, eine rollschuhfahrende ältere Ballerina, wie Leo sie nennt. Sie ist verwitwet, lebt unabhängig und zeigt Leo, wie es auch gehen kann. Dass es schön und wichtig ist, Menschen in sein Leben zu lassen; dass diese Menschen aber nicht zwangsweise Männer sein müssen. „Etwas Leichtes“ ist eine warmherzige unterhaltsame Geschichte, die sich humorvoll der Frage nähert, was will ich eigentlich aus meinem Leben machen und welche Rollenbilder stehen dem entgegen. Gut gefallen haben mir auch die kurzen Perspektivwechsel am Ende der Kapitel, die fast beiläufig einen feinen Einblick in andere Sichtweisen geben. |
| Neues Lieblingsbuch von Jens Jaroslav Rudis „Wo die Toten sprechen“ Es ist schwer, Worte zu finden, die dem Buch gerecht werden. Es bewegt sich irgendwo zwischen Märchen und Roadmovie, es ist absurd lustig und hintergründig tragisch, dabei aber durchaus auch philosophisch. Die Hauptcharaktere und ihre Hintergrundgeschichten sind sehr schön konstruiert (Miss Detroit, Du bist einfach großartig!) Die vielen kleinen Geschichten, „Expertengespräche“ und Anekdoten um die Haupthandlung herum werden mich das Buch sicher noch mehrfach lesen lassen… allein schon um sicher zu gehen, auch ja nichts verpasst zu haben. Lorenzo, Caspar und Miss Detroit sind unterwegs im alten Saab. Drei Freunde, irgendwo zwischen Lebensmitte und Lebensmüdigkeit. Ihr Ziel: die Friedhöfe Mitteleuropas. Während sich Lorenzo durch Bücher frisst und versucht, eine Doktorarbeit über die toten europäischen Dichter zu schreiben, träumt Miss Detroit hinter dem Lenkrad davon, Friedhofsbotanikerin zu werden und durch die Blumen mit den Toten zu sprechen. Und der fast blinde Caspar denkt an seinen Vater im Böhmischen Paradies, dessen verstorbene Freunde noch immer durch seine Stammkneipe geistern. Mit jedem gefahrenen Kilometer rücken die drei näher aneinander und hören die Stimmen der Toten von Grab zu Grab deutlicher: Wovon sprechen sie, wenn man ihnen zuhört? Und wem hört man besser nicht zu? Als sie auf einem Berliner Friedhof plündernden Reichsbürgern zuvorkommen und die Knochen eines NS-Verbrechers entwenden, beginnt eine absurde Verfolgungsjagd entlang der Grenzen der europäischen Mitte. Ein temporeicher Roman voller böhmischen Humor: Jaroslav Rudiš bricht auf zu einer rasanten Odyssee und erzählt von Freundschaft, Vergänglichkeit und davon, was uns in Europa zusammenhält. |
| Elisa hat für uns gelesen Caro Claire Burke „Yeasteryear“ 2026 Yesteryear – der Debütroman von Caro Claire Burke ist erneut ein weit diskutiertes Buch. Für viele sogar schon das Buch 2026. Ich halte ja von solchen Kategorien nicht viel und kann gleichzeitig die Aufregung um diesen Roman durchaus verstehen. Setting, Sprache und eine Anti-Heldin im Mittelpunkt machen diesen Roman besonders – besonders ungewöhnlich! Die junge “Bilderbuchchristin” Natalie Heller Mills lebt mit ihrem Mann und ihren zahlreichen Kindern auf einer schicken Farm in Idaho. Ihr Leben und ihren Alltag nutzt sie dabei ständig als Kameramaterial für Social Media, um die gute, alte Pionierzeit zu propagieren – eine klassische Tradwife-Influencerin eben – der Albtraum jeder Feministin. Doch dann landet Natalie plötzlich wirklich in der Pionierzeit und ihre Situation entwickelt sich nicht wirklich zu einem amerikanischen Traum. Sprachlich setzt die Ich-Perspektive dem Ganzen noch die Krone auf, denn als Leser*innen sind wir ständig in ihrem Kopf und da passiert sehr viel. Im Laufe des Buches gerät dort zunehmend alles durcheinander; schlussendlich entgleitet ihr nicht nur die Psyche. Dieses Buch ist ein großer, toxischer Cocktail gesellschaftlicher Themen: Social Media, Feminismus, Rollenbilder, Radikalisierung, Familiendynamiken und Missbrauch – dabei spannend und authentisch. Mich hat es beeindruckt und Sie? |
| Kundenempfehlung Alex Schulmann „Jetzt beginnt das Leben“ Das Buch – ein Beispiel der Auswirkung nicht verarbeiteter Erlebnisse in der Kindheit und Jugend. Das Schlimmste für mich vorstellbare, diese Traumata verursacht durch die wichtigsten Personen der Kindheit – die Eltern. Alex Schulman – absolut lesenswert, keine leichte Kost – Thema hinter vermutlich vielen Wohnungstüren …. Andrea Lorenz |
| Empfehlung aus unserem Graphic Novel/Comic Regal (und von Jens)😊 Umberto Eco/Milo Manara „Der Name der Rose“ Da braucht man eigentlich nicht viel zu sagen… eine großartiger Roman, der seinesgleichen sucht, künstlerisch als Comic umgesetzt vom Meister des präzisen Strichs schlechthin. Schmankerl! |
| Unsere Kinderbuchempfehlung Tuvalisa Rangström „Die Zeitmaschine“ Die Geschichte der Welt in wimmeligen Bildern Ab in die Zeitmaschine und los geht eine außergewöhnliche Wimmelbuch-Reise durch die Jahrtausende! Zwölf preisgekrönte schwedische Kreative – darunter Sven Nordqvist, der Erfinder von Pettersson und Findus – nehmen mit in die spannendsten Epochen der Weltgeschichte. Ob am Nil bei fleißigen Handwerkern, bei mutigen Wikingern und Drachen in Birka, mit den Inkas hoch oben in den Anden, im lebhaften London des 19. Jahrhunderts oder auf einem bunten Marktplatz von heute – auf jeder Seite wartet eine neue, faszinierende Welt voller Kunst und Abenteuer. Und immer mittendrin: die geheimnisvolle Katze mit dem weißen Ohr. Wer findet sie zuerst? Die Zeitmaschine. Wimmelbuch-Zeitreise von Sven Nordqvist und vielen anderen: Ein kunstvolles Wimmel-Bilderbuch über die Weltgeschichte |