Newsletter September und Oktober 2020

Pünktlichst meldet sich der Herbst unwiderruflich, nicht nur draußen mit diesem bunten Blättergefall. Auch drinnen, in unserem Lädchen, da füllt es sich wieder. Mit all den schönen BuchHerbstNeuigkeiten, die wir Ihnen ans Herz legen. Vielleicht findet man ja zusätzlich eine kleine Orientierung – die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020 und die Hotlist der Unabhängigen Verlage finden wir bemerkenswert erwählt und wir freuen uns, Ihnen einen Großteil davon zeigen zu können.

Aber vorab eine halbgute Nachricht. Bereits ausverkauft ist unser Lyriksalon am 13.10., in dem wir nun endlich den 200. Geburtstag Theodor Fontanes feiern wollen. Rita Zaworka freut sich schon, Ihnen den großen brandenburgischen Dichter näher zu bringen. Er gilt als poetischer Realist und sein lyrisches Werk und seine Balladen spiegeln sowohl politische als auch kulturelle und natürlich landschaftsfühlende Befindlichkeiten wider. „Dreiviertel meiner literarischen Zeit ist überhaupt das Korrigieren und Feilen gewesen…“sagte er einst und dieses „Feilen“ (das ich sehr wohl kenne), habe ich diesmal anderen, Ihnen aber sehr wohl bekannten überlassen…

Zum Beispiel hat Christel Olga Grjasnowa „Der verlorene Sohn“ (Aufbau Verlag) gelesen und mir dazu aufgeschrieben: Der vierte Roman von Olga Grjasnowa, die mit ihrem Erstling „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ viele literarische Herzen eroberte, ist kein gegenwärtiger, sondern ein historischer, angelehnt an geschichtliche Figuren. 1839 wird der neunjährige Jamalludin, Sohn eines Imans im Nordkaukasus, von seinem Vater als Faustpfand für Verhandlungen an Russland gegeben. Er fühlt sich ausgeliefert zwischen den Kriegsparteien, genießt aber eine umfassende Erziehung an einer Kadettenschule unter dem Schutz des Zaren. Wir begleiten ihn über fast 20 Jahre in Russland und Polen bis zu seiner unfreiwilligen Rückkehr nach Abchasien zu seiner Familie.

Grjasnowa erzählt geradeaus und anschaulich, fast überreichlich mit konkreten Fakten bestückt und ausgeschmückt, so dass der Fantasie vielleicht mehr Raum zu gönnen gewesen wäre. Es ist ein Roman über Identität und Fremdheit, auch über Zugehörigkeit, und passt somit in die heutige Zeit.

„Sehr gelungen“ findet Emma (unsere junge Testleserin) „BEING YOUNG – Uns gehört die Welt“ (Rowohlt Verlag). Die Autorin Linn Skaber schreibt in dem Buch sehr schön, lustig und vor allem ansprechend von den großen und kleinen Problemen Jugendlicher. Die kleinen Storys holen den jungen Leser ab und die wunderschönen Illustrationen von Lisa Aisato begleiten ihn durch das gesamte Buch. Ein schöne Sammlung von kleinen Geschichten für Jugendliche, aber auch für Erwachsene zum Nachdenken und Mitlachen.

Gelesen wurde ebenfalls Jaromir Konecnys Episodenroman „Du wächst für den Galgen“ (Lichtung Verlag). In seiner (er ist in der sozialistischen Tschechoslowakei aufgewachsen) Kindheit prallten Welten aufeinander. Auf der einen Seite war da die streng katholische Mutter, die Geschichten liebte, egal ob die der Frauen aus der Nachbarschaft oder die in Kriminalromanen. Auf der anderen Seite war der kommunistische Vater, ein Prolet, der meinte, seine Kinder noch mit Prügeln erziehen zu können. Die Gefechte am Küchentisch gewann meist die Mutter mit ihrer Cleverness. In witzigen Kurzgeschichten erinnert sich der erfolgreiche Poetry Slammer an Himbeerlimonade und Pfefferminzlikör, an die im Sozialismus so kostbaren Orangen, an Zigarettenasche im Bohneneintopf und an geköpfte Hühner, an so manche Derbheit im Wirtshaus oder in der Nachbarschaft, an den Tanzkurs oder die Abiturfeier. Schon früh zeichnen sich die beiden Leidenschaften ab, die er später zum Beruf machen wird: das Erzählen und die Naturwissenschaften. Sehr erheiternd ist dies zu Lesen…

Katrin hat Sorj Chalandon „Wilde Freude“, erschienen im dtv Verlag, gelesen und gesagt, es wäre ein gute Geschichte und auch charmant zu lesen. In Chaladons Roman geht es um die Freundschaft von 4 Frauen. Gemeinsam versuchen sie, ihrer Krebserkrankung und den harten Schicksalsschlägen zu trotzen und das Unmögliche zu wagen – einen Überfall auf einen Juwelier. Um Freundschaft geht es, um die Freuden des Lebens und die Kraft, die daraus erwächst.

Giulia Caminitos „Ein Tag wird kommen“ (Wagenbach Verlag) hat es Martina angetan. Der Roman erzählt fesselnd die Geschichte eines ungleichen Bruderpaares und die der „schwarzen Äbtissin“ eines armen Dorfes in den italienischen Marken. Der eine -Lupo- aufsässig, wild, stark und den Anarchisten zugetan, beschützt sein Leben lang den Bruder Nicola, weich wie ein Brot ohne Kruste, kein Kerl, sondern ein Jüngelchen“. Beide sind Söhne des Bäckers Luigi Ceresa und teilen das entbehrungsreiche, von Schicksalsschlägen geprägte Leben, den Beginn von Faschismus und Anarchie sowie die Macht der Kirche zur Zeit der Jahrhundertwende. Die junge Autorin wird in Italien für ihr Sprachtalent gefeiert, wild sei es und sinnlich zugleich.

Ausdrücklich erwähnen möchte ich nochmals unsere virtuelle Veranstaltungsreihe „Poesie und Technik“ in Zusammenarbeit mit dem IWGT der TU Bergakademie.Denn alle 9 Lesungen stehen nun bereit und warten auf interessierte Zuhörer und Wertschätzer. (www.youtube.com/channel/UCiydK6wzZd77e9ACOZ-oU0w/videos?view=0&sort=p&flow=grid) Herzlichen Dank dafür nochmal an Norman Pohl und Konrad Grossehelweg für die Umsetzung.

Und sollte Ihnen der Sinn nun doch lieber nach feiner und handgemachter Musik mit poetischen und klugen Texten stehen – voila- Stellmäcke & Trotzband am 15.10 um 19.30 Uhr im Tivoli. (Karten dafür gibt es nur im Tivoli.)

Herbstliche Grüße von uns aus unserem schönen Taschenbuchladen…

Heike Wenige, Martina Gehlhaus und Katrin Steinert

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