Newsletter Mai 2018

„Rechts fließt die Elbe…, links fließt die Moldau…“ – diese Liedzeile kennt wohl fast jeder Freiberger, zumindest diejenigen, die ab und zu mal die Stadtwirtschaft besuchen und dahin laden wir Sie nun auch sehr herzlich! Wir haben noch ein bisschen tschechische Lyrik drumherumgebastelt, das ganze mit den wohlklingenden Worten „Böhmen liegt am Meer“ benannt, Susanna Voß und Martin Ennulat viele Zettel in die Hand gedrückt und fertig ist der Lyriksalon für den 8.Mai 20 Uhr, wie immer im Salon der Stadtwirtschaft!

Und die Mittagszeit des 8.Mai können wir Ihnen auch schon verschönern mit unserer „Kultur zum Mittag“! Ein bisschen hoffe ich ja auf sehr schönes Wetter, dann können wir Sie endlich mal ins Draußenhinterland des Taschenbuchladens sozusagen ausladen, auch, weil wir diesmal mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Gäste haben, die auch ein bisschen mehr Platz brauchen. Wir freuen uns sehr! Nun muß ich nur noch Zeit finden, die Kekse dafür zu backen, denn, ich brauche es eigentlich gar nicht zu begründen, mich zieht es auch eher, wie alle, nach draußen, um diese plötzliche grüne Pracht zu beschauen, zu genießen und zu riechen…Und man will irgendwie „Halt!“ rufen und „Bitte nicht so schnell wachsen!“…

Dafür ruft es im Taschenbuchladen gerade ab und zu: Promaja! Nakama! Talaka! Pelinti! Jugaad! Das sind Wörter, die uns große Freude bereiten, weil sie versammelt in einem Buch unter anderem ein ganzes Universum an Lebenswelten erklären. Man sagt, sie seien unübersetzbar. Oder kennen Sie ein Wort im Deutschen, das erklärt, morgens sehr früh aufzustehen und den Vögeln draußen beim Zwitschern zuzuhören? „Gökotta“ ist die klare Ansage des Schweden dazu! „Hiraeth“ aus dem Walisischem gefällt mir auch besonders, soll die Sehnsucht nach Heimat und nach Wohlbefinden beschreiben…

Und ich gehe mal davon aus, dass Ihre gärtnerischen Frühjahrstätigkeiten abgeschlossen sind (also ich bin ja soweit! Nur noch die Tomaten fehlen..) und Sie mit dem Bestaunen der ersten millimetergroßen Pflanzen fertig sind und Sie sich ein schönes Plätzchen eingerichtet haben im Grün, um, Sie vermuten schon, wieder Zeit für Bücher zu haben und, das vermuten Sie jetzt auch, davon haben wir genug. Martina empfiehlt Ihnen „Felix und Felka“ von Hans Joachim Schädlich, dass von einem Künstlerleben unter den Zwängen der rassistischen Verfolgung 1933 handelt und in dem Hans Joachim Schädlich sich wie in all seinen Büchern als Meister der so kunst- wie eindrucksvollen Reduktion beweist. Wohl noch nie ist ein Leben derart verdichtet literarisch dargestellt worden. In unvergesslichen Momentbildern gelingt es ihm, existentielle Ängste spürbar zu machen. Indem er das Künstlerpaar in seinem ganz privaten Umfeld zeigt, erfährt die Geschichte eine Kraft, die weit über das Einzelschicksal hinausreicht. Große und feine Literatur sagt Martina! Robins Empfehlung handelt auch von Lebensfügungen bzw. von „Erfahrungen, die tragen“, so ist der Untertitel des gerade erschienenen Buches von Miriam Gudrun Sieber, die unter dem Titel „Männerleben“ 14 biographische Arbeiten veröffentlicht hat. Wir haben die Autorin für den Herbst in den Taschenbuchladen eingeladen, so viel schon mal vorab.

Ja und meine Empfehlung für Sie ist mal/schon wieder ein Buch, das eine Familiengeschichte erzählt, die keine einfache ist! Thomas Klupp (ebenfalls ein junger Autor) schrieb über dieses Buch „Mareike Schneider hat einen zarten, tiefgründigen und dabei ganz und gar unsentimentalen Roman über das geschrieben, was jeden angeht: Familie und Heimat, Alter und Krankheit – und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.“ Dem habe ich nichts hinzufügen, außer, das „Alte Engel“, so der Titel, im Vogtland spielt. Der Rowohlt Verlag hat witzigerweise (und vorsichtshalber, damit der Rest in Deutschland es auch versteht) ein kleines Verzeichnis vogtländischer Wörter und Wendungen angefügt, das mit der Erklärung beginnt, das der hochdeutsche Vokal „a“ im Vogtländischen nicht existiert.

Für seitenweise Film (am 22.5. 20 Uhr im Campus Cafe des SIZ) habe ich mir die Daniel Kehlmann Verfilmung von „Ich und Kaminsky“ ausgesucht. Eine Tragikomödie um einen eitlen Journalisten, der mit einer Arbeit über den greisen Künstler Kaminski berühmt werden will. Er spielt in Deutschland kurz vor der Jahrtausendwende. Sebastian Zöllner (Daniel Brühl), Kunstjournalist und Meister der Selbstüberschätzung, plant seinen großen Coup: ein Enthüllungsbuch über den legendären aber fast vergessenen Maler Manuel Kaminski (Jesper Christensen), Schüler von Matisse und Freund von Picasso, der einst als „blinder Maler“ Berühmtheit erlangte. Der skrupelose und ehrgeizige Karrierist macht sich auf den Weg zu dem entlegenen Chalet hoch oben in den Alpen, wo der greise Künstler zurückgezogen und von Vertrauten abgeschirmt lebt. Er dringt in Kaminskis Haus, Leben und Vergangenheit ein und nimmt ihn kurzerhand mit auf eine halsbrecherische und irrwitzige Reise zu dessen tot geglaubter Jugendliebe. Unterwegs will er ihm mit List und Dreistigkeit seine Geheimnisse entlocken. Aber bald muss er feststellen, dass er dem Alten, ob blind oder nicht, in keiner Weise gewachsen ist.

Schnelle erzählen möchte ich Ihnen noch, dass wir in den letzten Tagen (zum „Welttag des Buches“ laden wir uns immer Kinder in den Taschenbuchladen ein) sehr schöne Sätze vom ganz jungen Publikum zu hören bekommen haben, die auf meine Frage hin fast alle eindeutig der Meinung sind, dass das Buch als solches aus Papier und mit Einband und mit Bildern eine Zukunft haben wird. Das macht uns sehr froh!

Ihnen herzliche Grüße aus dem Taschenbuchladen von Heike Wenige, Martina Gehlhaus und Robin Meltzer

PS: Das Himmelfahrtswochenende steht an und wie jedes Jahr lädt der Mittelsächsische Kultur- und Jugendverein zum Internationales Blues- und Rockfestival ein. Donnerstag ab 11 Uhr geht es los. Mehr als zwanzig hochkarätige Musiker rocken an den beiden Festivaltagen das Publikum in Sachsens ehemals mächtigstem Kloster. Darunter Blues-Schwergewichte wie Abi Wallenstein, Dr. Slide, Mama Basuto’s Blues Ensemble und Kees Schipper, aber auch Newcomer, wie Kris Pohlmann oder Andi Valandi schmücken das Programm. Außerdem bietet Deutschlands entspanntestes Bluesfestival wieder jede Menge Angebote für die ganze Familie. Und dafür sorgen unter anderem auch die Schüler von Namaste Nepal, die mit selbstgebackenen Kuchen und Nepalkaffee dabei sind. Karten gibt es im Vorverkauf bei uns. Auch für das Konzert am 12. Mai von Felix Meyer im Tivoli, dass ich Ihnen sehr gern ans Herz legen möchte… Feine Musik!

 

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