Newsletter Juni 2017

Unweigerlich und mit größter Freude empfunden naht ja nun die Sommerruhe/Kulturpause/Ferienvorbereitungs- und Urlaubszeit… Doch vorher müssen Sie bitte noch mit uns schnell einen Kaffee trinken! Ja, im Taschenbuchladen bitte! Sie haben ja vielleicht gehört oder gelesen von der Freiberger Kaffeewette. Die Stadt Freiberg trägt seit August 2016 den Titel „Fair Trade Town“. Um noch mehr Freiberger für den verantwortungsvollen Handel zu begeistern, veranstaltet die Koordinierungsgruppe Fair Trade Town Freiberg vom Weltladen/Fairkauf am 9. und am 10 Juni eine Aktion. An diesen beiden Tagen sollen überall in Freiberg die Kaffeetassen mit frisch gebrühtem Kaffee aus fairem Handel gefüllt werden. Dazu sind unter anderem Gaststätten, Hotels, Geschäfte, Unternehmen, Vereine und Privatpersonen eingeladen mitzumachen. Und es gibt ein ehrgeiziges Ziel: insgesamt 1500 Tassen sollen an den beiden Tagen in Freiberg geleert werden! Um viele Kaffeetrinker zum Mitmachen zu animieren, ging die Koordinierungsgruppe eine Wette mit Oberbürgermeister Sven Krüger ein: erreicht die Aktion das selbstgesteckte Ziel, soll der OB einer Freiberger Kindereinrichtung fair gehandelte Fußbälle schenken. Verliert die Gruppe, schenkt sie kostenlos Kaffee bei einer städtischen Veranstaltung aus. Der Oberbürgermeister schlug ein: „In Freiberg gibt es ein großes und langjähriges Engagement für einen gerechten Handel. Deswegen unterstütze ich diese Aktion“, erklärt Sven Krüger. Wir auch. Unbedingt und bei uns wird es Buchhändlerkaffee geben. (Eingeweihte kichern jetzt ganz sicher…) Aber Sie können auch ganz einfach am 10. Juni auf dem Schlossplatz eine Tasse zur „Großen Fairen Kaffeetafel“genießen. www.weltladen-freiberg-sachsen.de/aktuelles.html

Der reine Zufall wollte es, dass ich Ihnen nun drei französische Autoren ans Herz legen kann. Manchmal hat man einfach keine Lust auf so sehr viele Seiten und da habe ich aus meinen Stapeln die nicht so umfangreichen Bücher gewählt, allesamt französisch, und war ganz beglückt, denn bezaubernd in der Sprache und traurig in der Geschichte ist „Nichts als Blüten und Wörter“ (Ripperger & Kremers Verlag)von Nicolas Clement. Marthe erzählt von ihrer Mutter, dem sehr brutalen Vater und vom Bauernhof, auf dem sie lebt und leidet und von ihrem Bruder und irgendwann von ihrer ersten großen Liebe Florent und vom Schicksal, dass alle miteinander verbindet. Nicolas Clément, 1970 geboren, unterrichtet Philosophie. Für diesen Debütroman wurde er in Frankreich gleich mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Um eine unbedingte Leidenschaft geht es in Véronique Olmis Roman „Der Mann in der fünften Reihe“(Kunstmann Verlag), um Liebe und Theater und die Momente, in denen ein ganzes Leben auf dem Spiel steht. Es ist ein nächtlicher Monolog: Die Schauspielerin Nelly erzählt einer Punkerin von ihrer verlorenen Liebe, die sie unerwartet im Publikum wieder gesehen hat. Dieses Bändchen von Véronique Olmi ist wie ein Theatermonolog – in minutiöser, unspektaukulärer Genauigkeit verfasst. Véronique Olmi, eine meiner liebsten Schriftstellerinnen, ist in Frankreich vor allem als Dramatikerin bekannt. Zwischendurch schreibt sie schmale Romane „Der Mann in der Fünften Reihe“ ist bereits ihr zehnter und in all ihren kleinen Meisterwerken geht es um das Seelenleben von Menschen in unerwarteten und vor allem tragischen Situationen.

Und von noch einem französischen Autoren möchte ich erzählen bzw. von seinem Buch “Ich schreibe Ihnen im Dunkeln“(Beck Verlag). Jean-Luc Seigle erzählt die reale Geschichte von Pauline Dubuisson mit ihrer Stimme. Pauline Dubuisson, Tochter eines vor Verdun ausgezeichneten Offiziers der französischen Armee, frühreif, lebenshungrig und begabt, lässt sich als Sechzehnjährige mit einem deutschen Offizier ein. Was ihrer Familie ein erträgliches Leben während der Besatzungszeit verschafft, wird nach der Befreiung zum Fluch. Misshandelt, den Kopf geschoren und mit Hakenkreuzen bemalt, wird sie öffentlich zur Schau gestellt. Jahre später erschießt sie im Affekt ihren Freund. In einem aufsehenerregenden Prozess wird Pauline Dubuisson als kalt und berechnend hingestellt, als Hure und Kollaborateurin. Nur knapp entkommt sie der Todesstrafe. Indem Jean-Luc Seigle bekannte Fakten mit Fiktion vermischt, entsteht das Porträt einer selbstbewussten und empfindsamen Persönlichkeit, die an den Vorurteilen und der Heuchelei und Scheinheiligkeit ihrer Mitwelt scheitert. Eine ambivalente Geschichte, die das Herz sehr rührt.

So und nun muss ich schnell in die Küche! Muss doch noch Kekse backen für morgen, ja für unsere beliebte „Kultur zum Mittag“ – Zeit (12.10 Uhr) und dafür habe ich mir extra eine meiner liebsten Zutaten von der Ostsee mitgebracht…

Ihnen Sommergrüße von uns Dreien

Hier können Sie kommentieren.

*