Liebe Freunde des Taschenbuchladens.
Und nun schnell Ihnen allen einen schönen Sommer und schöne Ferien gewünscht!!!
Die Anzeichen für diese schönste Zeit mehren sich im Laden. Die Frage „Was könnte ich denn im Urlaub lesen?“- die beantworten wir sehr gern! Und Bedarf an Sommerlektüre? Da können wir selbstverständlich auch behilflich sein. So individuell im Lädchen und am Regal macht sich das ja immer besser (klingt ganz nach versteckter Einladung und ist auch so gemeint! – ist so leer in Stadt).
Dass es ansonsten nicht vieles zu erzählen gibt, liegt ganz einfach an der kulturellen Sommerpause und diese kleine Sommerschreibpause gönnen Sie uns auch? Man hat ja mit dem Genießen genug zu tun. Und dass diese Temperaturen die Kreativität im Kopf ein bisschen mindern, das verzeihen Sie mir bitte.
Einen schönen Tipp hätte ich allerdings noch. Lieblingsschriftstellerin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann hätte ihren Hundertsten gefeiert im Juni. Sie prägte die deutsche Nachkriegsliteratur. Sprachgewaltig in Lyrik und Prosa, immer mit philosophischen Hintergrund und der Aufklärung verpflichtet, mit feministischer Weitsicht, immerzu unglücklich liebend (dies aber anrührend formulieren können) und vorallem immer mit berührender Sensibilität. Unser Lieblingsradiosender MDR Kultur hat ein schönes Feature dazu gemacht und bietet einen schönen Blick auf Ingeborg Bachmann, die Biografien, die zu diesem Jubiläum erschienen sind und den Dokumentarfilm mit Sandra Hüller (den ich vielleicht in diesem Jahr noch bei seitenweise Film zeigen darf). Ergänzen würde ich nur das Buch „Wir müssen wahre Sätze finden“ (erschienen in der schönen SALON Reihe im Kampa Verlag), das in Gesprächen Einblick in ihr Denken und Schreiben gibt.
Und jene, die schon fertig sind mit den Sommerferien, die müssen gar nicht traurig sein. Die „Freiberger Sommernächte“ in unserem schönen Schloßhof bieten auch ein kurzweiliges Programm für die lauen Sommernächte. Konzerte und Kino, alles dabei. https://www.freiberger-sommernaechte.de/
Ein bisschen fehlt mir persönlich so ein Highlight, aber das ist ja interessenabhängig.
Haben Sie bitte schönste Zeiten, das wünschen wir von Herzen
Heike, Martina, Jens und eigentlich auch Josy, die nun ganz im Mutterglück schwebt…
Wir freuen uns über Aurélie und wünschen der kleinen Familie ein schönstes Leben und Erleben.
Heikes Empfehlung: Lukas Rietzschel „Sanditz“
Einen präzisen, feinen und sensiblen Blick auf die Wendezeit bis heute hat Lukas Rietzschel mit seinem Roman „Sanditz“ geschaffen. Bravo kann ich dazu nur sagen. Schon das Introkapitel ist genau das Meinige… Sanditz als fiktiver Ort im Lausitzer Braunkohlerevier ist Heimat von 3 Generationen der Familie Wenzel und von deren Freunden und Bekannten. Ihre wendungsreichen Lebensgeschichten erzählt der Autor wechselnd in 3 Zeitebenen – die letzten Jahre der DDR, die friedliche Revolution 1989 und die Gegenwart bis zum Beginn des Ukrainekrieges. Und das gelingt ihm so sehr gut. Er läßt sich genau die Zeit, die es braucht, um Menschen, ihre Lebensumstände- und Situationen, Alltagsdinge, ja sogar Landschaften zu beschreiben, dass man mit seinen Figuren mit erlebt, Glück und Tragik mit empfindet. Ganz ohne Moralismen kommt er aus, versucht nicht, den Osten zu erklären, aber dafür das Milieu. Mit Respekt und Feingefühl behandelt er Menschen und Zeitliches und dabei bzw. damit ist Lukas Rietzschel ein Gesellschaftsroman gelungen, der in meiner Wahrnehmung ein ganz großer ist.
Martinas Empfehlung: Malachy Tallack „Der Ozean so wild und weit“
Malachy Tallack erzählt in seinem Buch „Der Ozean so wild und weit“ die Geschichte von Jack. Jacks Vater war als Walfänger den Gefahren des Ozeans ausgesetzt. In seiner Heimat den Shetlandinseln baut er sich mit seiner Frau Kathleen und seinem Sohn Jack eine Existenz auf. Jack, schon als Kind sehr schüchtern, ist auch als erwachsener Mann wortkarg und gehemmt. Er interessiert sich für fast nichts außer für Musik, Country Musik. Hört er die Platten seiner Eltern, taucht er ab in eine andere Welt. Als ihm ein Freund der Familie eine Gitarre schenkt, fängt er an eigene Songs zu schreiben. Der Versuch sie in Glasgow zu spielen, scheitert, da seine Eltern ertrunken sind und er zurück nach Hause muss. Er verkauft die Schafe und das Land, das sie bewirtschaftet haben und arbeitet 20 Jahre als Postbote, um abends in seine Musik einzutauchen. All seine Gefühle wandern in die Country-Songs, die er selbst schreibt und die er in einem anderen Leben auf der Bühne gesungen hätte.
Malachy Tallack erzählt von einem Mann, der lieber weniger, als mehr besitzt und in Ruhe gelassen werden möchte. Bis eines Tages eine geheimnisvolle Schachtel vor seiner Tür liegt und eine Freundschaft mit der jungen Nachbarstochter beginnt, die Jack eine neue Perspektive auf seinen Platz in der Welt eröffnet.
Jens Empfehlung: Jo Nesbo „Insel der Ratten“
Eben weil es keiner der üblichen Nesbo Romane ist, hat es mich interessiert und auch gleich gefangen genommen. Spannender Plot: Nach einer verheerenden Pandemie ist die Welt nicht wiederzuerkennen: Massenarbeitslosigkeit und Armut haben das demokratische Gleichgewicht gekippt, marodierende Banden beherrschen die Straßen der großen Stadt. Colin Lowe, einer der reichsten Unternehmer des Landes, rettet sich mit seiner Familie auf die Insel der Ratten. Und wirklich gut geschrieben.
Elisas Empfehlung Lilly King „Herz König“
Lilly Kings neuer Roman „Herz König“ zeigt mir: Manchmal braucht es weder viele Schauplätze noch ein ganzes Figurenensemble, um eine gute Geschichte zu erzählen. Mit feiner Hand zeichnet sie eine junge Studentin der 1980er, die selbstbewusst ihren Weg geht – und das in einer Zeit, in der Frauen noch um Gleichberechtigung und wirtschaftliche Unabhängigkeit kämpften. Erfrischend ehrlich, fast wie eine authentische Skizze, entfaltet sich vor den Augen der Leser*innen ein Kosmos aus Gefühlen, Entscheidungen und kleinen Momenten, die groß wirken. Für mich liegt Kings Stärke darin, mit minimalen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen: Keine Ablenkung, keine überflüssigen Details – nur das Wesentliche, das unter die Haut geht. Und das Ende? Das bleibt bewusst offen für Interpretation. Ist es ein Happy End? Oder doch ein melancholischer Abschied? Das hängt wohl davon ab, wie man selbst mit den Höhen und Tiefen des Lebens umgeht. Finden Sie es heraus – es lohnt sich.