Liebe Freunde des Taschenbuchladens, 

unsere Osterdeko ist nun weggeräumt. Und wir hoffen, Sie hatten schöne Tage und auch einen schönen Osterspaziergang, denn in meiner Wahrnehmung wirds ja nur seeehr langsam mit dem Grün, auf das ich so sehr warte. Der April ist immer so ein seltsamer Zwischenmonat… Aber ziemlich gut gefüllt mit kulturellem Leben in Freiberg. Das freut mich sehr und ans Herz legen möchte ich Ihnen die nun mittlerweile 50. Freiberger Jazztage, die zu ihrem Jubiläum mit einem breiten und großartigem Programm und dieses mit Ihnen feiern wollen. So rückblickend auf den März und meine Buchmesse in Leipzig – da möchte ich nur erzählen – es war großartig für mich, vor allem weil dort die Solidarität unter uns Buchhändlern und Verlagsmenschen (deutschlandweit) so spürbar war angesichts der Weimerschen Entscheidungen. Das ist nicht alles so selbstverständlich. Genau auch nicht in diesen Zeiten, die dem unabhängigen Buchhandel so schwer zusetzen. Wie dem stationären Einzelhandel überhaupt… Das Bewußtsein, dass man als Freiberger eine lebendige Innenstadt nur hat, wenn man sie nutzt, sollte doch wieder wachsen. Das sage ich mal im Namen aller Freiberger Händler, die tagtäglich ihr bestes geben und dem Wort Fachhandel gerecht werden.

 
Neues Lieblingsbuch von Heike
Katerina Polodja „Goldstrand“
Mir war es eine große Freude, dass Katerina Polodjan mit ihrem neuen Roman „Goldstrand“ den Preis der Leipziger Buchmessse gewonnen hat. War sie doch mein heimlicher Favorit. Sie hatte ziemlich starke Konkurrenz, umso mehr unser Glückwunsch an sie. Wie auch bei den anderen nominierten Romanen erzählt sie Weltgeschichte und die schönst eingebettet in Familiengeschichte. Der Erzähler heißt Eli, ist bekannter Regisseur und liegt auf der Couch seiner Dottoressa in Rom. Statt ihr zu Erzählen, wie es ihm geht, erzählt er von seiner Familie. Von seinem Vater, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Architekt den real existierenden „Goldstrand“ nahe Warna in Bulgarien erbaute. Von seiner Mutter Francesca (hinreißende Figur!), die jenen schüchternen Menschen am Strand kennenlernte und schwanger nach Rom heimkehrte. Vom Mussolini treuen Großvater, der seine Mutter danach verbannte, ihn, Felix aber liebevoll aufzog. Und auch die Geschichte seiner Tante, die Jahr im 1922 auf der Flucht aus Odessa vom Deck eines Passagierdampfers sprang und für immer verschwand. Er erzählt nicht nur sein Leben, er erzählt auch um sein Leben. Und dafür findet Katerina Polodjan eine feine Sprache, ja zuweilen witzig, aber natürlich eben auch ein melancholisch.

Neues Lieblingsbuch von Martina
Michael Roher „Zu Fuß“
Ein Bilderbuch ist es, witzig gereimt und mit einem schönen blauen Schwung illustriert und erzählt die Geschichte von Herrn Mandelmus und seinem Dackel Julius. Herr Mandelmus geht nie zu Fuß. Herr Mandelmus ist ein wohlbeleibter und fröhlicher Geselle, aber er tut keinen Schritt zu viel. Motorroller, Auto, Lieferservice, das sind seine Fortbewegungsmittel, sogar der Dackel wird mittels Drohne Gassi geschickt. Doch eines Tages ruft Herr Mandelmus: Ich gehe heut zu Fuß! Und siehe da: Er entdeckt eine für ihn ganz neue Welt!

Finden wir auch gut:
Torsten Harmsen „Broiler, Wimpel, Westpaket“
Der Mensch wächst mit den Dingen, die ihn umgeben. Sie verändern sich, sie verschwinden, neue kommen hinzu. Torsten Harmsen ( Jahrgang 1961) spürt in diesem Buch den Gegenständen aus der Zeit seiner Kindheit und Jugend nach: Vom Kassettenrekorder und der Teppichklopfstange über Rechenschieber und Setzkasten bis hin zu Jeans, Schallplatten und der ersten Zigarette. Einiges davon gibt es heute nicht mehr, anderes hat sich in Form und Bedeutung verändert. Harmsens witzige Beobachtungen zeigen, wie sehr uns Dinge prägen können – und sie regen an, über die Wandelbarkeit der Welt nachzudenken. Eine sehr liebenswerte Betrachtungen zu Dingen, die wohl in jedem Leben mal eine Rolle gespielt haben. Und die Geschichten zu diesen Dingen sind schönste und witzige Kindheitserinnerungen, die viele (Ost) Deutsche ins sich tragen. Ich auch.

Herzliche Grüße von Heike, Martina, Josy und Jens

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