Liebe Freunde des Taschenbuchladens,
ach der Lieblingsmonat…, der war schon reichlichst gefüllt mit so schönen Sonnentagen und mit so reichlich kulturellem Taschenbuchladenleben. Wir sind sehr dankbar für ihr Interesse an allem und Sie hatten hoffentlich auch so große Freuden an unseren bisherigen Veranstaltungen und unseren kulturellen Treffen wie wir. Und dankbar sind wir auch für ihre Anteilnahme zum Deutschen Buchhandlungspreis. Das ist ein Schlag ins Gesicht engagierter Buchhandlungen! Diese unwürdige Ausgrenzung dreier Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis 2025, denen verfassungsfeindliche Handlungen unterstellt werden. Die im Laufe der Jahre dankenswerter Weise ausgezeichneten Buchhandlungen sind in der Regel neben ihrer Arbeit hinterm Ladentresen Kulturvermittler, sozialer Treffpunkt, Leseförderer und wichtig für lebendiges und lebhaftes Leben rund ums Buch in ihrem Lebensumfeld. Wir haben den Preis 5 mal bekommen und sind stolz darauf, dass unsere Arbeit von staatlicher Seite so gewürdigt wurde. Diese Entscheidung stellt das nun alles sehr in Frage. Und dass die diesjährige Buchhandlungspreisverleihung, die auf der Leipziger Buchmesse stattfinden sollte, nun auch noch seitens des Kulturstaatsministers abgesagt wurde, ist eigentlich nur noch feige zu nennen und straft nochmals die diesjährigen Preisträger. Und auch alle anderen engagierten unabhängigen Buchhandlungen… So denke ich.
Nichtsdestotrotz freue ich mich auf meine kommenden Tage in Leipzig und auf die Buchmesse und auf all meine lieben Verlagskollegen und die Synergien, die für mich und für den Taschenbuchladen jedes Mal wieder entstehen. In diesem Jahr finde ich auch die Liste zum Buchpreis der Leipziger Buchmesse eine sehr schöne Wahl im Bereich Belletristik. Zwei von den Büchern habe ich schon für sehr gut befunden. Da würde mir die Endentscheidung schon schwer fallen. Es sind 5 verschiedenene Möglichkeiten, die „Geschichte“ erzählen. Jedes Buch dieser Nominierung ist in sich sehr rund und gefällt dem Buchhändlerherz.
Und weil wir ja noch immer im Frauentagsmonat sind, empfehle ich super gern die Ausstellung im Kinopolis „Gemeinsam sind wir unerträglich“ zur unabhängigen Frauenbewegung und überhaupt Frauensein in der DDR. Ist reichlich Text, Zeitzeugnis und Dokumentation und leider nur noch bis zum 22.3. anzuschauen. Deswegen zur Vertiefung sei das Buch zur Ausstellung ans Herz gelegt.
Seien Sie sehr herzlichst gegrüßt aus dem Taschenbuchladen, der sich so ganz langsam dem ovalrundem Frühlingsfest nähert und dies mit großer Freude. Die eckigen Neuheiten sind ja sowieso da 🙂 von Heike, Martina, Josy und Jens
Neues Lieblingsbuch von Heike
Judith Herrmann „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“
Ja, so geht es mir tatsächlich auch und Judith Hermanns neues Buch bestärkt in mir diesen Gedanken, denn sie folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist nach lang und intensiven Tagen mit Recherche verbringend von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen ihrer folgenden Generationen nach. In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen ihrer Familie auf. Und klagt das Schweigen und das Verdrängen an. Und das einer ganzen Generation, ja der Meinigen, die ihre Großväter und Großmütter und Großonkels und Tanten natürlich kannte zu Kindertagen, aber weniger ihre Geschichte. Seltsam anzuschauen sind die unkommentierten Fotos der Verwandten in Uniform… Und dabei ebenso magisch wie magnetisch erzählt Judith Herrmann so nebenbei davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten – und zeigt auch, welch seltsame Schönheit sich darin verbergen kann. Ja, es ist „ nur eine Suppenkelle“, wie ihre Mutter zum Geschenk ihres Vaters an sie betont und später sagt das auch die Schwester. Aber für Judith Herrmann liegt darin ein ganzes ambivalentes Universum der Erinnerung und dem kann ich sehr folgen.
Neues Lieblingsbuch von Josy
Liz Moore „Der andere Arthur“
Das Buch steht ihrem Erfolgsbuch vom letzten Jahr „ Der Gott des Waldes“ in nichts nach, zumindest erzählerisch, denn der Plot ist schon ein sehr anderer. Arthur Opp, einst Literaturprofessor, hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen und wiegt mittlerweile 250 Kilo. Die wenigen Schritte zur Haustür, um Lieferungen entgegenzunehmen, sind seine tägliche Herausforderung. Nur 30 Kilometer entfernt kämpft der 17-jährige Kel um seinen Schulabschluss und die Chance auf ein besseres Leben: ein Sportstipendium. Doch während er um seine Zukunft ringt, hält ihn die Sorge um seine kranke Mutter in Atem. Arthur und Kel sind zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise erfahren haben, wie sich Einsamkeit in ein Leben einschreiben kann. Zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die doch etwas Entscheidendes verbindet. Ja, melancholisch, aber in jeden Fall anregend, was man selbst aus seinem Leben macht und ganz wichtig die Erkenntnis – hoffnungsvoll bleiben…
Empfehlung von Elisa
Dita Zipfel „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“
Im Buch erzählt Dita Zipfel von zwei Paaren, die gemeinsam Urlaub machen – und dabei treten schnell alte Spannungen und Machtgefälle zutage. Im Mittelpunkt stehen Eva, Mutter von zwei Kindern, und Linn, die verzweifelt versucht, schwanger zu werden. Ich mochte besonders, wie Dita Zipfel die Verbindung zwischen Eva und Linn beschreibt. Zwei sehr unterschiedliche Frauen, Nähe und Fremdheit liegen dicht beieinander, Reibung und Verständnis wechseln sich permanent ab. Ein kluger Roman über Mutterschaft, Selbstbestimmung und die Frage, wie unterschiedlich Leben verlaufen können. Für Leser*innen von Mareike Fallwickl und Eva Lohmann. Kinderbuchempfehlung
James Krüss „Das gereimte Jahr – Das große James-Krüss-Sprachbastelbuch“
Zum 100. Geburtstag des Reimekünstlers James Krüss Ein runder Geburtstag ist ein schöner Anlass für eine Jubiläumsanthologie mit den schönsten Gedichten und Geschichten des Sprachjongleurs James Krüss. Ob der Zauberer Korinthe, Annabella Apfelstrudel, Polly Plauz oder die Weihnachtsmaus: Wir begegnen alten Freunden und entdecken neue Schätze – und staunen, wie zeitgemäß und frisch die Texte sind. Zusammen mit kurzen originellen Sprachbasteltipps lädt die Sammlung zum Reimen, Fantasieren und Spielen rund ums Jahr ein. Illustrator Günther Jakobs, selbst bekennender Krüss-Fan, hat aus diesem Sprachbastelbuch mit lustigen und poetischen Bildern ein echtes Lieblingsbuch geschaffen. Ein perfektes Geschenk, das Generationen verbindet. Ein Gedichte- und Geschichtenschatz, der die Freude an Sprache fördert Mit vielen praxiserprobten, originellen Sprachbasteltipps und Anregungen von der Literaturpädagogin Sigrid Vieth Poetisch und fröhlich illustriert von Illustrator und Krüss-Fan Günther Jakobs.
Beglückender Rückblick auf kürzlich Stattgefundendes
Sehr lieben Dank für Ihr Interesse und ihrer Freude an der Kultur zum Mittag und Elke Hussels neuem Buch, an der LadiesNight und Lutz Geißlers Brot mit unseren Aufstrichen, an Lydias schöner Schaufensterbeschriftung zum Frauentag, an die engagierten vorlesenden Frauen (und Diana und Eric Schwitalla fürs Organisieren und Mike Brettschneider für das großartige Frühstücksbuffet) zum Frühstücksbrunch und natürlich Stefan und Horst für die sehr schönen Lesungen…
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