Mir war es eine große Freude, dass Katerina Polodjan mit ihrem neuen Roman „Goldstrand“ den Preis der Leipziger Buchmessse gewonnen hat. War sie doch mein heimlicher Favorit. Sie hatte ziemlich starke Konkurrenz, umso mehr unser Glückwunsch an sie. Wie auch bei den anderen nominierten Romanen erzählt sie Weltgeschichte und die schönst eingebettet in Familiengeschichte. Der Erzähler heißt Eli, ist bekannter Regisseur und liegt auf der Couch seiner Dottoressa in Rom. Statt ihr zu Erzählen, wie es ihm geht, erzählt er von seiner Familie. Von seinem Vater, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Architekt den real existierenden „Goldstrand“ nahe Warna in Bulgarien erbaute. Von seiner Mutter Francesca (hinreißende Figur!), die jenen schüchternen Menschen am Strand kennenlernte und schwanger nach Rom heimkehrte. Vom Mussolini treuen Großvater, der seine Mutter danach verbannte, ihn, Felix aber liebevoll aufzog. Und auch die Geschichte seiner Tante, die Jahr 1922 auf der Flucht aus Odessa vom Deck eines Passagierdampfers sprang und für immer verschwand. Er erzählt nicht nur sein Leben, er erzählt auch um sein Leben. Und dafür findet Katerina Polodjan eine feine Sprache, ja zuweilen witzig, aber natürlich eben auch ein melancholisch.

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