Newsletter Februar 2021

Ach was für ein schönes Sammelsurium an Empfehlungen, Zitaten, Vorhaben, Sehnsüchten, Buch- bzw. Leseempfehlungen haben Sie uns da geschenkt!

Allerherzlichsten Dank dafür und ihre Mühen damit und das Daranundanunsdenken und – natürlich wollen wir nun alle daran teilhaben lassen:
Anfangen möchte ich, weil ich da auch kicherte:

„Eine schöne Bemerkung aus dem neuesten Evers – Buch. Es geht um Donald Trump und seine Anhänger. Oder wie wir in Berlin sagen: Weiße mit Schuss.

Man muss erst bissel nachdenken, aber dann ist der Gag so richtig schön.“

Unter den derzeitigen Vorhaben, Gedanken, Mutmaßungen für 2021 fanden wir:

„Ilsebill salzte nach.“ (Der Butt – Günter Grass)

„Sklaverei ertrag ich nicht, Ich bin immer ich,

Will mich etwas beugen – Lieber breche ich.“ (Ich – Ingeborg Bachmann)

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ (Die Verwandlung – Franz Kafka)

„Am Anfang war die andre Tat.“ (Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura – Irmtraud Morgner)

„Schauen Sie, wie kann der erwachsene, alleinstehende Mensch in seiner natürlichen Trägheit im Schreiben wirksam werden?“ (Das Schweigen – Elfriede Jelinek)

„Gehen Sie ruhig durch die Menge hindurch, sie wird sich nicht vor Ihnen teilen, und sie wird nicht mit Ihnen teilen.“ (Am Königsweg – Elfriede Jelinek)

„Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen.“ (Mutmaßungen über Jakob – Uwe Johnson)

Sehr schön auch zu lesen von den örtlichen Sehnsüchten:

„Glücksorte in Dresden“

„Wandern mit Kindern in der Sächsischen Schweiz“

„Meer sehen“

„Urlaub auf Balkonien“

„Couchsurfing in China“

„Frühstück bei Tiffany“

„13 einhalb Leben des Käptn Blaubär“

„Traumurlaub mit Beutelratte“

Dies hier zitiere ich sehr gern:

„Buchempfehlungen will ich auch geben. Oder besser eine Autorenempfehlung. Alles von Dag Solstad! Meine Entdeckungsreise begann mit „Scham und Würde“. Die Hauptfigur macht auch eine Entdeckung. Diese hat wiederum mit Ibsen zu tun. Wenn ein Buch jemanden zu tiefen und wertvollen Gedanken bringen kann, dann hat dies doch sein höchstes Ziel erreicht.
Beim Stöbern durch “ SINN UND FORM “ vom Juli / August 2020 ist mir eine kleine Katzengeschichte aufgefallen. Gefunden bei Walle Sayer: “ Die leere Seite im Reisetagebuch „. Das ist doch sicherlich etwas für Sie. Hier ist die Geschichte:

„Die Katze ist das Leben der Möbel ( Jules Renard ). – Nachts, da zwischen Schnarchlauten und Atemaussetzern eine halbe Stillnox anfängt zu wirken. Das Zimmer schreckt auf vom vorrückenden Geräusch des Stundenzeigers. Sie vernimmt den Brunftschrei einer Teekanne, verläßt den Thron des Lesesessels, die Brust des Stuhlpolsters, auf dem sie schlief, die Enklave der zusammengefalteten Tagesdecke auf dem Sofa. Geht zum Kratzbaum der Regalwand. Streift unter den Höhenzügen der Bibliothek umher, durch die verschatteten Räume der Zimmerfluchten, am Gläserschrank vorbei, der einen Widerschein einfängt. Die Stelle, wo ihr Fell verfilzt, weil sie mit ihrer Zunge nicht mehr hinkommt, reibt sie sich an den Stuhlbeinen, am Türrahmen, am offenen Schubladenspalt der Kommode. Im Südzipfel des Dunkels springt sie mit einem mondhellen Satz auf die Warte des Eßtischs hinauf. Dort trinkt sie das Blumenwasser aus der Vase.“

(Wer Katzenbesitzer sein darf, der hat diese kleine Szene ganz wahrhaft vor Augen…)
Und auch das möchten wir sehr gern weitergeben:

„Ich habe gerade von einer Freundin eine Leseempfehlung bekommen, die vielleicht auch ein „Titel“ für das nicht mehr ganz so neue Jahr werden könnte: Chuzpe. Nicht in dem Sinn, sich gegen nervige, aber m.E. überwiegend sinnvolle Corona-Maßnahmen zu wehren, aber vielleicht in dem Sinn, nicht lange rum zu überlegen, sondern das zu nutzen, was gerade möglich ist.“
Meine liebe Buchhändlerkollegin Katja aus dem Norden schrieb mir ziemlich euphorisch von ihrer neuesten Entdeckung: „Nina, eine aufstrebende Londoner Foodjournalistin wird 32 und feiert das eher unspektakulär, wie sie findet, mit ihren Freunden in einem Pub. Damit beginnt „Gespenster“ von Dolly Alderton, das Nina, die mit zweitem Namen George heißt, wegen Wham und deren Hit in ihrem Geburtsjahr, durch das seltsamste Jahr ihres Lebens führt, wie sie im Nachhinein selbst sagt. Denn Nina muss einiges einstecken in diesem Jahr. Da ist die Alzheimererkrankung ihres Vaters, die sich manifestiert und sie aus der Bahn wirft, ihr Sicherheit nimmt und viele Fragen, auch in der Beziehung zu ihrer Mutter aufwirft. Und da ist Max, der über eine DatingApp in ihr Leben purzelt und Nina sehr schnell und sehr intensiv in eine Beziehung, falls man das so nennen möchte, reißt, bis er plötzlich komplett verschwindet, nicht zurück ruft, nicht mehr erreichbar ist und Nina mit gebrochenem Herzen zurück lässt. Hach war das ein cooles Buch, es hat mir wirklich richtig viel Spaß gemacht! Wie Nina all diese verqueren Situationen mit der abstrusen DatingApp, schwierigen, sich auseinander entwickelnden Freundschaften und bösartigen Nachbarn, der Hochzeit ihres Exfreundes und all der Liebesgefühle und – enttäuschungen meistert, ist großartig! Das Buch ist munter und humorvoll, aber auch immer wieder nachdenklich und klug, sowie ein Plädoyer für die Freundschaft und verliert sich niemals ins Banale. Ich kann nur jubeln über Frauen wie Nina und ihre Freundin Lola und bin begeistert von Dolly Aldertons Beobachtungsgabe und ihrer hinreißenden Art zu erzählen. „Gespenster“ wurde von Eva Bonné aus dem Englischen übersetzt und ist im Atlantik Verlag erschienen.“

Und wir – wir wollen Ihnen ein paar ganz frisch gedruckte Buchstaben ans Herz legen:

T.C.Boyle „Sprich mit mir“ (Hanser Verlag)

Der Schimpanse Sam ist Mittelpunkt des neuen Romans. Sam ist ein besonders cleverer Schimpanse. Er kann in der Gebärdensprache kommunizieren, sich einen Cheeseburger bestellen und sogar lügen. Sam wohnt mit seinem Sprachforscher in einer Art Wissenschafts – WG und hat in der Menschenwelt sogar eine Freundin gefunden, die schüchterne Studentin Aimee. T. C. Boyles neuer Roman erforscht die vermeintlichen Unterschiede zwischen Mensch und Tier und zeigt uns, wie primatenhaft wir wirklich sind. Wie viel Mensch steckt in einem hoch entwickelten Tier? Und wie viel Tier steckt in uns, den Menschen? Diese Fragen beschäftigen den amerikanischen Autor T.C. Boyle. Er bleibt dabei immer realistisch, unterhaltsam, ein „echter Boyle“ eben.

Bernadine Evaristos „Mädchen, Frauen, etc.“ (Tropen Verlag) geistert gerade durch die Medien und ist ein Buch, dass über zwölf Schwarze Frauen erzählt, die durchaus selbstbewusst ihr Leben bestimmen. Sie stehen in Beziehung zueinander. Die Zwölf sind Mütter und Töchter, Freundinnen und Kolleginnen. Um genauer zu sein: Die meisten kommen aus der Arbeiterklasse, manche sind quer, fast alle sind in Großbritannien geboren. Das Grandiose an „Mädchen, Frau, etc.“ist, egal wie sehr den Figuren ihre Hautfarbe, ihre Sexualität oder ihre gesellschaftliche Klasse Nachteile bringt, die Zwölf bleiben nicht in einer Opferrolle, sondern bestimmen selbstbewusst über ihr Leben.

Und noch eines haben wir, dass wir für die Vergnüglichkeit empfehlen wollen, denn Axel Hacke hat uns mal wieder ein SprachBüchlein geschenkt. „Im Bann des Eichelhechts“ heißt es und versammelt wiederum eine Vielzahl diverser Sprachmerkwürdigkeiten und interessanten Übersetzungen aus aller Welt. Wo ihm Tiftrienen, Schlafanfallbüros, Fischsalat vom Huhn und Wirre Eier begegnen, Sie können das nachlesen…

Oder nach dem Frühling schauen gehen, das ist gerade genauso vergnüglich.
Ihnen liebe Grüße aus dem vorösterlichen Versandhandel von

Heike Wenige, Martina Gehlhaus und Katrin Steinert

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