Newsletter Oktober 2017

So ein Feiertag hat ja etwas! Geschenkte Zeit für dies und das (in meinem Falle endlich das Bücherregal auf- und einräumen,…ach und was ich für Schätze wiedergefunden habe, eine wahre Freude…). Terrassengartenarbeit wäre ja auch eigentlich dran gewesen, aber wenn das Rückenweh zu sehr plagt, dann sollte man sich lieber schonen. Dafür aber Zeit, ein paar Zeilen für Sie aufzuschreiben, denn unser Oktoberkulturprogramm ist ein ganz feines – finden wir.

Kultur zum Mittag

diesmal am 10.10., aber wie immer 12.10 Uhr im Taschenbuchladen und der Gast, den wir uns eingeladen haben, den kenne ich seit fast genau 23 Jahre. Sie ja vielleicht auch…?

Und am selbigen Abend 20 Uhr laden wir recht herzlich zum ersten Lyriksalon der neuen Theaterspielzeit in den Salon der Stadtwirtschaft ein: Zu einem Gedichtband, der 160 Jahre geworden ist und seinem Dichter Charles Baudelaire, dessen 150. Todestag wir damit gedenken möchten. Kein ganz einfaches Werk ist die Sammlung „Die Blumen des Bösen“ – die äußerst ausgefeilten, oft kurzen Gedichte bilden statt einer einfachen Anthologie, ein durchkomponiertes Ganzes und erzählen von Überdruss, Mutlosigkeit, Melancholie im Großstadtleben – dem Weltschmerz eben. Es liest Andreas Kuznick. Reservieren können Sie wie immer bei uns (03731/31841)

Und dann müssen Sie doch bitte unbedingt zu unserer Lesung am 16.10. 19.30 Uhr in das Loft des Tivoli kommen! Uns ist es nämlich eine besondere Ehre, dass Birgit Vanderbeke in Freiberg lesen möchte! Für mich ist sie eine der besten deutschsprachigen Schriftstellerinnen und ich mag all ihre Bücher- und die befinden sich auch in meinem heimischen Bücherregal, habe ich ja gerade nachgeprüft. Klar – manche mehr und manche weniger. Aber meine damalige Euphorie für „Das Muschelessen“ und „Aberta empfängt einen Liebhaber“ teilte ich mit vielen von ihnen. Mit diesen Erzählungen betrat sie die literarische Bühne und wer diese gelesen hat, weiß um ihre unverwechselbare Sprachkunst. Als Markenzeichen ihrer präzise erzählten Analysen des Alltags gilt der typische Vanderbeke-Stil: ein minimalistisch kühler, ebenso witzig-hintergründiger wie eigenwilliger Erzählton von spielerisch vorgetäuschter Naivität in lakonischen, schmucklosen Sätzen. Und in ihrem neuen Buch „Wer dann noch lachen kann“ werden die Vanderbekefreunde nicht enttäuscht: Am Anfang steht ein Autounfall. Sie überlebt, aber die Schmerzen wollen einfach nicht vergehen. Bis ihr eine Freundin die Telefonnummer eines gewissen Pierre Mounier anvertraut. Der habe schon einer Menge Leute geholfen, lass dich von ihm anschauen, sagt die Freundin. Die Behandlung dauert keine Stunde, und Monsieur Mounier verabschiedet sich heiter, ein weiterer Termin sei nicht nötig. Auf unbestimmte Weise scheint er mit ihr verbunden, wie eine Gestalt aus ihrer Vergangenheit. Beim Hinausgehen wirft sie einen beiläufigen Blick auf das Schild neben seiner Eingangstür, auf dem sich Mounier als Therapeut für Mikrokinesie ausweist, und plötzlich erinnert sie sich an ein Detail aus ihrer Kindheit: eine kleine Figur, mit der vergessene Geschichten, die sie erlebt oder gelesen hat, schmerzvoll zu ihr zurückkehren.

Karten gibt es bei uns im Tivoli im Vorverkauf und natürlich an der Abendkasse

Unser Abend „seitenweise Film“ beschaut diesmal auch ein Leben. Das der Sibylle Berg und wer ihre Texte kennt bzw. Bücher gelesen hat oder gar im Jahre 1998 (glaub ich) bei unserer Lesung war, weiß, dass Sibylle Berg provoziert, irgendwie. Ihre Lebensgeschichte vom DDR-Flüchtling zur Bestsellerautorin klingt fast so, als habe sie diese selbst erfunden. Die Ausgangsidee für den Dokumentarfilm „Wer hat Angst vor Sibylle Berg“ Film fanden Wildtrud Baier und Sigrun Köhler in einem Urteil aus der Presse: „Die erbarmungsloseste deutsche Schriftstellerin“. Angst vor Sibylle Berg macht der Film jedoch nicht, sondern neugierig auf eine der schillerndsten und unfassbarsten weiblichen Figuren des deutschen Literatur-Betriebs.

24.10.2017 20 Uhr (Achtung!!!) im Cafe des SIZ der TU Bergakademie.

Eine Leseempfehlung brauchen sie noch? Das ist gerade so schwer. Im Lädchen liegt das schon fast komplette taschenbuchladenwürdige Herbstbücherprogramm aus, inclusive der Shortlistbücher zum Deutschen Buchpreis (www.deutscher–buchpreis.de), der alsbald auf der Frankfurter Buchmesse vergeben wird und einen Favoriten haben wir da ja auch schon. Na ja, aber vielleicht doch eines, welches mich nur noch wenige Seiten begleiten wird – Verena Boos, die in ihrem neuen Roman „Kirchberg“ von einer Frau schreibt, die die Sprache verliert und zurückkehrt ins Dorf ihrer Kindheit und Jugend. Was als selbstgewählte Einsamkeit gedacht war, wird zu einer Erkundungsreise, die eng mit der Geschichte des Hauses auf dem Kirchberg verwoben ist. Und natürlich geht es um Freundschaften, um vergangene Lieben, um Familiengeheimnisse und um die kleinen Welten in der großen. Fein zu lesen…

Herbstgrüße aus dem Taschenbuchladen!

PS: Und bitte auch noch vormerken, da ich es vielleicht nicht schaffe, Sie rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen: Mariana Leky mit meinem liebsten diesjährigen Buch „Was man von hier aus sehen kann“ am 2.11. 19.30 Uhr im Tivoli

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