Newsletter Mai 2017

Letztes Jahr um genau diese Zeit schrieb ich hier an dieser Stelle davon, dass der Mai macht, was er soll bzw. kann… das tut er ja eigentlich in diesem Jahr auch, mir aber etwas zu zaghaft, wenn ich diesbezüglich mal meine Ungeduld zum Ausdruck bringen darf! Aber, wie sagte Goethe „In allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln“ und erfahrungsgemäß kann ich ja auch behaupten, dass aus all den Dingen, die ich so in die Terrassentöpfe getan habe bisher, ein Urwald wurde! Kürzlich befragt, ob denn jeder Samen bei mir aufgänge, musste ich etwas ja etwas lächeln, denn bei der Menge auf meinem kleinen Anbaugebiet fällt es kaum auf, dass etwas nicht grünt…

Genug geplaudert, denn eigentlich wollte ich erzählen, dass wir neben den im Mai schon stattgefundenen Veranstaltungen noch mehr zu bieten haben. Im Übrigen hat Norman Kaden, der fast 10 Jahre im Taschenbuchladen gearbeitet hat, uns vorgestern in der „Kultur zum Mittag“ Zeit bestens unterhalten mit dem „Kakadudel“, wohin gegen es die Herren am Abend zum Lyriksalon mit den Gedichten von Johannes Bobrowski nicht so einfach hatten. Unser Dank nochmals an Michael Berger und Maximilian Sterba.

Einen Lyriksalon vor den Sommerferien haben wir noch, einen für uns ganz besonderen: Am 16.5. (20 Uhr im Salon der Stadtwirtschaft) werden Nikou Amir aus dem Iran und Delschad Numan Khorschid aus dem Irak (beide wirkten an Inszenierungen in unserem Theater mit) uns in die Tausenundeinenachtwelt mitnehmen. „Lyrik aus dem Zweistromland“ haben wir diesen Abend benannt und sind schon selbst sehr gespannt darauf, da wir ganz sicher auch Originalsprachliches hören werden.

Und Seitenweise Film zeigt am 23.5. 20 Uhr im Kunsthandwerkerhof „LTI“

Von 1933 bis 1945 führte der deutsche Schriftsteller Victor Klemperer ein ungewöhnliches Tagebuch. Gegenstand war die Sprache des Dritten Reiches, „Lingua Tertii Imperii“ nannte er sie. Leidenschaftlich notierte er jede neue Redewendung, die ihm begegnete, von den Stammtisch-Witzen bis zu den Anleihen aus dem Technik-Jargon, Boxsport und Werbung. Vornehmliches Ziel Klemperers war es, Zeugnis abzulegen von der Vergiftung der deutschen Sprache durch die Nazis. Ein Film von Stan Neumann.

Und ganz sicher kennen Sie das: Jedes mal, wenn man ein Buch aufschlägt, freut das Herz sich mit der Hoffnung, dass sich hinter dem Umschlag eine Geschichte verbirgt, die wie ein Lichtstreif, kann ja durchaus auch nur ein kleiner sein, durchs Leben fegt und mit seinem Funkeln eine Veränderung hinterlässt im Blick oder Empfinden, in Wahrnehmungen…

Und schon gefühlte hundertmal gelesen – die Schicksale jüdischer Menschen im zweiten Weltkrieg – und dem nicht müde werdend ist „Heute leben wir“ (Fischer Verlag) von Emmanuelle Pirotte wieder eine unvergessliche Lektüreerfahrung, die an „das Gute im Menschen“ weiterhin glauben lässt. Und dass es sprachlich sehr überzeugt, ist angesichts der wahrhaften Geschichte dieses Romans eher eine nebensächliche Bemerkung.

Niah Finnik „Fuchsteufelsstill“ (Ullstein Verlag)- gut? Nun ja, ich würde ja eher sagen – spannend und sehr ungewöhnlich. Der Autorin wurde das Asberger-Syndrom bescheinigt und als ganz Außenstehender in diese Welt eingelassen zu werden, verschafft in diesem Fall einen ziemlich erstaunlichen Blick auf das „Normale“ und, wie Niah Finnik meint, das es nicht gibt „ohne verrückt zu sein“.

Anders schaut Matuschek im Roman von Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“(Berlin Verlag)auf bzw. in die Welt, denn ihm reicht ja das kleine Glück. Dies ändert sich noch nicht, als die Mutter stirbt, bei der er und mit ihr eng lebt. Eher schon als Nachbar und Freund Igor nicht mehr da ist, er seine Wetterbeobachteranstellung verliert, das kleine Glück nicht mehr zu halten ist…Irgendwie witzig erzählt Kerstin Preiwuß dies (ich mochte ja ihr Buch „Restwärme“ schon sehr und ihre Gedichte auch) und nicht ohne viel Wärme für ihren Matuschek, der es letztendlich doch schafft, anders neu zu beginnen.

Martina hat „Heimaterde“ von Lucas Vogelsang mit großem Interesse gelesen und erzählte mir, dass der Autor, er ist Journalist bei der Welt am Sonntag, von Berlin aus quer durch die Bundesrepublik gefahren ist und Menschen getroffen hat, die von ihrer Herkunft und Identität erzählen. In Pforzheim, Rostock-Lichtenhagen oder Castrop-Rauxel… hat er beispielsweise mit Vietnamesen, die Zuwanderern Deutsch beibringen, mit Türken, die auf die Mittagsruhe pochen, mit Iranern, die ihre Gartenzwerge bemalen…darüber gesprochen, was Deutschsein heute bedeutet. Und das ist ihm sehr gelungen, sagt Martina. Und Ezra? Ezra taucht in eine Buchwelt ab, die mir doch etwas fremd geblieben ist – Fantasy. Ich bin ja dafür sehr dankbar, denn dieses Genre ist ja wiederum ein Universum, wo ich für mich nicht sicher bin, ob ich da jemals eintauchen möchte…

Aber wenn es Sie interessiert: Fragen Sie ihn! Er kennt sich aus.

Überhaupt kann ich Ihnen ja auch nur einen Besuch bei uns ans Herz legen! Wir freuen uns!

Jaaa…, zur Not, nein zur Freude, auch über den Virtuellen, denn unsere neu geformte Internetseite erzählt ja auch eine Menge. Unter anderem habe ich auch für das Geburtstagsjubiläum von Johannes Bobrowski in unserem Podcast (das finden Sie ganz unten auf der Internetseite) das „Mäusefest“ eingelesen,… mit meinem Kater auf dem Schoß, der sich diesmal ganz still verhielt.

Herzliche Grüße zu Ihnen von Heike Wenige, Martina Gehlhaus und Ezra Matschullat

PS: Blues- und Rockfestival in Altzella für alle Himmelfahrtsfamilienausflügler alljährlich wieder wärmstens empfohlen und Karten dafür auch bei uns!

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