Newsletter Juni 2020

Eine schönste Nachricht haben wir für Sie:

Mit unserer „Kultur zum Mittag“ wollen wir wieder starten. Am 7.Juli 12.10 Uhr laden wir Sie von Herzen in unseren Hinterhof in die Burgstraße ein und wir hoffen sehr, dass das so funktioniert. Mit dem Tee und Keksen dazu müssen Sie bitte noch (vermutlich) bis zum übernächsten Mal warten. Wir wollen den momentanen hygienischen Vorschriften folgen und müssen auf diese kleinen Annehmlichkeiten verzichten. Aber dafür haben wir genug Platz und unser Gast, der freut sich auf seinen Auftritt bei uns, wie wohl alle Klein – und auch Großkünstler sich freuen würden, denen momentan die/ihre Möglichkeiten fehlen. Kulturelle Entzugserscheinungen haben Sie doch ganz sicher auch? Uns freuten und freuen noch immer die kleinen und so sehr verschiedenen „Grüße“ des Mittelsächsischen Theaters an ihr Publikum (finden Sie unter www.mittelsaechsisches-theater.de) und all die anderen kreativen VideoIdeen der Kultur – und Kunstschaffenden. Schönste Kleinode sind da entstanden und man kann die Künstler nur bewundern, die dabei so ohne Publikum auskommen müssen und die Welt so virtuell erfreuen wollen. Machen wir auch demnächst. Die Voraussetzungen dafür haben wir erst mal eingerichtet (https://www.youtube.com/watch?v=MSfpFnBp-54) und schon mal was ausprobiert, was in der TaschenbuchladenSchließzeit entstanden ist, aber den eigentlichen Grund dazu, den erfahren Sie im nächsten Newsletter.

Virtuell passiert ja momentan ALLES (und bedarf dadurch irgendwie auch noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit, da das Netz doch eher eine flüchtige Angelegenheit ist): Die Kulturstaatsministerin Frau Prof. Grütters zeichnete 66 kleine und unabhängige Verlage aus ganz Deutschland mit dem Deutschen Verlagspreis aus. „Das Engagement gerade auch der kleineren und mittleren unabhängigen Verlage macht die Buchkultur in Deutschland um vieles reicher – und damit auch das Spektrum an Meinungen und Perspektiven im öffentlichen Diskurs“, sagte Frau Prof. Grütters. „Verlegerinnen und Verleger bringen neue literarische und visuelle Ausdrucksformen zur Entfaltung und stellen Weichen für künstlerische Entwicklungen. Sie erschaffen handverlesene Bücher, machen literarische Kleinode sichtbar und sorgen damit für pures Seelenglück.“ Das finden wir auch, und – sie werden es wissen – dies schätzen wir auch sehr, kümmern uns darum, erfolgreich…

Wir haben uns sehr gefreut, dass der sowieso sehr gemochte Matthes und Seitz Verlag in seiner von uns sehr geschätzten „Naturkunden“ Reihe die „Sanddornzeit“ von Hans Cibulka aufgelegt hat, erstmals 1971 erschienen. Der Verlag gehört zu den ersten Preisträgern in diesem Jahr. Und die von Judith Schalansky (im MDR Kultur wurde kürzlich ihr „Verzeichnis einiger Verluste- eine Weltgeschichte voller Dinge, die verloren sind, mutwillig zerstört oder im Lauf der Zeit abhandengekommen sind“ vorgelesen und das sehr sehr schön) herausgegebenen „Naturkunden“ Reihe gehört mit für mich zu den schönsten verlegerischen Arbeiten in den letzten Jahren. Na klar, es geht um Hiddensee, bzw. sind es Hanns Cibulkas Tagebuchaufzeichnungen, die er dort führte, Menschen denen er dort begegnete und natürlich viel, viel und noch mehr Landschaft, Landschaft, Landschaft… und dortigem Lebensgefühl.

Noch so ein literarisches Kleinod, poetisch und schön erzählt, hatte ich in den Händen und lege es Ihnen nun auch gleich ans Herz: Benjamin Myers „Offene See“: Es ist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon früh weiß der 16 jährige Robert, unser Protagonist, dass er wie alle männlichen Mitglieder seiner Familie Bergarbeiter werden soll. Bevor er sich fügen muss, will er, der die Natur liebt, sich eine Auszeit nehmen, um seiner Sehnsucht nachzugehen – seiner Sehnsucht nach dem Meer, nach der offenen See. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Einer Frau wie Dulcie ist Robert noch nie begegnet – unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte, neue und spannende Welt kennen. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie dies. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind…Feine Literatur, versprochen! Christoph Heins neues Büchlein „Ein Wort allein für Amalia“ möchte ich hier auch erwähnen, denn in diesem kleinem schönen Inselbändchen, verziert mit wunderhübschen Vignetten von Rotraut Susanne Berner, schaut Christoph Hein der Stieftochter Gotthold Ephraim Lessings über die Schulter. Amalia berichtet in einem langen Brief von den letzten Tagen des Dichters. Und dies hat erstaunlich viel mit der Gegenwart zu tun. Was Lessing am Ende umgetrieben hat, welchen Gedanken er nachhing in seinen letzten Tagen – Christoph Hein hat es nachgeschrieben, sehr emphatisch.

Zeigen wir ihnen alles gern im Taschenbuchladen und laden Sie auch gleich zu den neuen Innenstadtaktivitäten der Händler ein. Beispielsweise am kommenden Samstag (13.6.) schon, denn jeden zweiten Samstag im Monat möchte der Freiberger Innenstadthandel zum langen Einkaufstag motivieren und mit Unterstützung der Stadt sind einige schöne Ideen entstanden, die das ganze bereichern sollen. Diesen Samstag wird unser Theater mit Darbietungen verschönern und wir freuen uns auf viele viele viele Besucher.

Seien Sie sehr herzlich gegrüßt

von Heike Wenige, Martina Gehlhaus und Katrin Steinert

PS: Im Übrigen hat das Tivoli nun auch endlich wieder seine Türen geöffnet, wenn auch noch nicht ganz weit, aber wir freuen uns, wenn Olaf Stellmäcke am 18. Juni mit seinen Musikern „Hinterm Mond“ präsentieren wird.

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