Newsletter Juli/August 2018

Dass es im Juli nichts von uns zu lesen gab, das soll nicht heißen, dass es keine Neuigkeiten aus dem Taschenbuchladen gab – sehr schöne sogar! Diese kleine Sommerschreibpause gönnen Sie uns doch. Man hat ja mit dem Genießen genug zu tun. Und dass diese Temperaturen die Kreativität im Kopf ein bisschen mindern, das verzeihen Sie mir bitte. Jedenfalls gibt es nun freudig zu berichten, dass Robin uns verlassen hat! Neinnein – ganz planmäßig… Wir danken ihm so sehr von ganzem Herzen für seine Zeit im Taschenbuchladen, sein Engagement, seine Freude an der Arbeit und überhaupt! Und wünschen ihm natürlich für seine weiteren Pläne und seinen weiteren Weg bestes Gelingen! Wie er mir versicherte, hat er eine Menge gelernt bei uns. Das freut uns sehr. Und sehr freut uns auch, denn, wie vielleicht der eine oder andere schon bemerkt hat – Katrin hat im Taschenbuchladen angefangen. Viele von Ihnen kennen sie ja bereits und der Rest wird sich freuen, versprochen. Unser Team ist also komplett. Und gestärkt nach diesem Sommer (der ja noch ewig dauern soll und darf) und das ist auch wichtig, denn für die kommenden Monate haben wir uns eine Menge vorgenommen! Soviel, dass wir für Sie unseren herbstlichen Kulturplan in gedruckter und übersichtlicher Variante alsbald bereithalten werden. Muss noch gefaltet werden, da könnte ich ein paar Hände gebrauchen… Die Detailinformationen konnten wir da nicht unterbringen, die finden Sie aber auf unserer Internetseite oder dann jeweils im monatlichen Newsletter.

Die ersten Termine gebe ich schon mal kund, weil meine Newsletterschreibezeit ganz sicher wieder sehr knapp wird: für den 4. September möchten wir Sie wieder zu unserer „Kultur zum Mittag“ einladen, 12.10 Uhr in den Taschenbuchladen und am selbigen Abend in den ersten Lyriksalon der neuen Theaterspielzeit. Diesmal haben wir uns Gäste eingeladen, die sich unter dem Titel „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“ auf die Spuren von Eva und Erwin Strittmatter begeben haben und ein Buch unter diesem Titel herausgegeben haben.

Der Erwin-Strittmatter-Verein feierte im Jahr 2016 sein 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erschien unter der Herausgeberschaft von Renate Brucke und Matthias Stark das Buch „Von Bohsdorf nach Schulzenhof“. Literaturfreunde verschiedener Generationen und Berufe reflektieren mit berührenden Essays, Geschichten, Berichten und Gedichten ihre Sicht auf zwei Poeten, die weit über ihren Tod hinaus bekannt und beliebt sind.Unsere Gäste zum Lyriksalon Renate Brucke, Carsten Krankemann, Michael Gätke und Matthias Stark tragen aus diesem Buch vor. Sie finden uns wie gewohnt 20 Uhr im Salon der Stadtwirtschaft und können gern vorab im Taschenbuchladen ihre Reservierung hinterlassen.

 

Und sollten Ihnen die Lektüre ausgegangen sein, viel mehr als lesend im Schatten mit einem kühlen Getränk kann man ja diese Zeit kaum verbringen, da habe ich noch zwei Empfehlungen, die mich in den letzten Wochen begleiteten:

Lukas Rietzschel hat mit seinem Roman “Mit der Faust in die Welt schlagen“ um zwei Brüder, ein Dorf in Ostsachen und eine Wut, die immer größer wird, ein feines Debüt geschrieben, dass Sie interessieren könnte. Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es. Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs, eine aktuelle literarische Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land. Zerrissen sind die Menschen in Sylvie Schenks Roman „Eine gewöhnliche Familie“ ebenfalls. Die Geschwister Cardin sind zu viert. Als Tante Tamara und Onkel Simon sterben, werden am Tag der Beerdigung jedoch nicht nur die Trennlinien zwischen den vier Geschwistern sichtbar, sondern die Gräben in der gesamten Familie. Die Verstorbenen waren es, die alle zusammenhielten. Nun hinterlassen sie neben Uneinigkeit vor allem eine Auseinandersetzung um das Erbe, die schon auf dem Weg zur Trauerhalle ihren Anfang nimmt. Die gefühlte Ungerechtigkeit in der Verwandtschaft ist außergewöhnlich groß – und genau darin ist diese französische Familie so ziemlich gewöhnlich. Sylvie Schenk, eine von mir sehr geschätzte Autorin, hat einen Roman geschrieben, der auf wenigen Seiten poetisch, klar und klug die Geheimnisse einer ganzen Familie ausleuchtet.

 

Allen, für die die Ferien nun vorbei sind, wünschen wir einen guten Start und auch den Erstklässlern, die sich bestimmt schon auf ihren Schulanfang freuen. Für diese haben wir wieder ein paar liebevoll gefüllte Lesetüten gepackt, die sie sich gerne im Taschenbuchladen abholen können. Richten Sie das doch bitte aus…

 

und seien Sie recht herzlich aus dem wohltemperierten Taschenbuchladen gegrüßt

von Heike Wenige, Martina Gehlhaus, Katrin Steinert und auch noch von Robin

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