Newsletter August 2020

Frisch zurückgekehrt vom schönen Ostseestrand will ich mal beeilen und Ihnen aufschreiben, dass 2 von meinen 5 Urlaubsbüchern wirklich sehr schön waren…

Ja, der Urlaub natürlich auch. Das Meer mit seiner wunderschönen Landschaft drumherum war, ist und bleibt einer meiner Lieblingsorte, die innerhalb sehr kurzer Zeit ein wunderbares Lebensgefühl schaffen…

Jedenfalls – Das eine Buch handelt von Gustav Mahlers Atlantiküberquerung. Zu diesem Zeitpunkt ist Mahler bereits ein sehr berühmter Dirigent und Komponist, schwerstkrank. Sehr nachvollziehbar bei dieser wunderbaren Langsamkeit des Reisens, lässt Gustav Mahler sein ganzes Leben noch einmal an sich vorüber ziehen. Berührend und anmutig erzählt das Robert Seethaler im recht schmalen Bändchen „Der letzte Satz“. Er löst aus dem langsamen Tod eines großen Mannes diese kleine Sequenz heraus und lässt ihn von seiner großen Liebe und Frau Alma erzählen, vom Glück, mit der begehrtesten Frau Wiens verheiratet zu sein, von seinen Töchtern, von seinem Leben und Leiden im Kunstbetrieb.

Das zweite Buch, nunja, es spielt mal wieder auf dem Lande. Nicht das ich es leid wäre, davon zu lesen, neinnein, ich mags ja sehr gern, und dieses ist auch wieder ein sehr gelungenes. Ein Frau, Annette, antwortet auf eine Annonce, die ein Mann, Bauer in der Auvergne mit Namen Paul aufgegeben hat. Es gab das Wort „sanft“ in der Annonce, dass Annette die weite Reise aus ihrer tristen Industriestadt machen lässt. Und, so erfährt man natürlich auch, weg aus dem traurigem Leben, dass das Wort sanft nicht kennt. Paul möchte nicht wie seine zwei Onkel als Junggeselle enden. Deren Hof führt er erfolgreich mit seiner Schwester Nicole. Der von Andrea Spingler ins Deutsche übersetzte Roman „Die Annonce“ von Marie-Hélène Lafon ist ein zarter und völlig kitschfreier Liebesroman. Ihre Sprache wirkt so, als erzähle sie uns alles ganz beiläufig, dies aber mit einer gewissen Dringlichkeit. Dass der Beginn der Hoffnung auf ein anderes Leben nicht ganz einfach ist, das liegt in der Natur der Sache. Punktgenau beschreibt Lafon, wie mitleidslos und selbstherrlich die eingesessene Familie ihre Landarbeit ausübt. Unmerklich, aber bestimmt, rückt die Autorin dann das Kind Eric in den Mittelpunkt, welches den Erwachsenen zeigt, dass man für sein Tun auch einen Preis zahlen muss.

Ihnen ans Herz legen möchte ich auch mein neues Lieblingsbuch, dass nun endlich im Taschenbuchladen ausliegt. Gelesen habe ich es schon im Frühjahr, vorab und kann nun endlich erzählen, dass meine Lieblingslyrikerin Ulrike Almut Sandig ihren ersten Roman geschrieben hat, der in seiner Sprachgewalt ihrer Lyrik in keinster Weise nachsteht. Zwei Geschichten erzählt die Autorin (und ein ganzes Universum), die von Ruth und die von Viktor. Beide wachsen in der „ostdeutschen Pampa“ auf, eine sehr lange Zeit gemeinsam. Sie können sich gut aneinander festhalten, denn sie erfahren beide Gewalt und Missbrauch in der eigenen Familie und gemeinsam wollen sie die „Monster“ besiegen. „Wenn man nicht davon erzählt, ist es nicht geschehen“. Die zwei, in stummen Leid verbundene, flüchten – Ruth in Musik, Viktor in körperliches Training und die Neonaziszene. Dies trennt die beiden, Viktor geht zu seiner eigenen Verwunderung als Au-pair nach Frankreich. Doch auch hier holt ihn das „Monster“ wieder ein. Wohin es die beiden auch verschlägt, die Gewalt ist schon da. Einlassen wollen auf dieses Buch, ja das muss man. Äußerst bemerkenswert ist es und couragiert sowieso. Wie gibt man etwas wieder, dass die Seele erfasst? Mit Feingefühl verpackt Ulrike Almut Sandig die Wut,die Ohnmacht, die Flucht, das Wegsehen in zarte Beschreibungen, in harte Monologe, in kryptische Zeilen, in ihre bildhaften Figuren und scheinbar beiläufige Szenerien. Großartig!

Den Lyriksalonfreunden unter Ihnen kann ich nun endlich, nach langem Planen und Überdenken mitteilen, dass unser erster Lyriksalon in diesen seltsamen Zeiten stattfinden wird. Am 1. September! Die Karten dafür können (und müssen) Sie diesmal direkt an der Theaterkasse kaufen. Der Lyriksalon findet im Theater statt. Und das freut uns riesig! Wir haben den preisgekrönten Lyriker Jan Wagner zu Gast. Geboren 1971 in Hamburg, lebt er seit 1995 in Berlin. Er ist Lyriker, Übersetzer englischsprachiger Lyrik sowie Essayist und war bis 2003 Mitherausgeber der internationalen Literaturschachtel „Die Aussenseite des Elementes“. Für seine Gedichte, die für Auswahlbände, Zeitschriften und Anthologien in vierzig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse (2015) und den Georg-Büchner-Preis (2017). Und vielleicht können Sie sich ja noch erinnern, wie wunderbar Conny Grotsch „damals“ (ich kann den Lyriksalon dazu nicht mehr zuordnen) sein Gedicht „giersch“, ja genau die unliebsame Zierde ist gemeint, vorgetragen hat…

…Was mich ja wieder an den anderen Lieblingsort erinnert…

Es ist ja schon so ein bisschen Spätsommer, zumindest meinen das sämtliche Früchte, die alle auf einmal reif sein wollen und natürlich dürfen, denn die Köstlichkeit einer eignen, selbst gepflegten und gestreichelten Tomate ist doch des Gärtners Glück! Und, Sie dürfen ruhig kichern, dabei geholfen haben die Freiberger Stadtbienen, jaaa, ich bin mir da ziemlich sicher. Den Honig dazu gibst im Taschenbuchladen und das werden wir auch im Schaufenster demonstrieren. Momentan wird dort noch Charles Bukowski gewürdigt. The dirty old man… Und wie Stefan Schwarz so hübsch formulierte: „Heute wäre Charles Bukowski 100 Jahre alt geworden, wenn er nicht geraucht und gesoffen, sondern jeden Tag halb zehn ins Bett gegangen wäre…“ Darauf reduzieren wir ihn nicht! Happy Birthday! Das auch dem Aufbau Verlag! „Grabenkämpfe und Lorbeeren“ – diese Überschrift in der FP am Samstag zum 75. des Aufbau- Verlages trifft Geschichte, Leben und Leiden des renommierten Verlages ziemlich gut. Irgendwie haben wir ja die Nachwendegeschichte des Verlages ziemlich intensiv miterlebt und mitgefühlt. Und ich selbst auch die Jahre vor der Wende. Herzlichsten Glückwunsch von uns!

Und nun endlich – Liebe Sommergrüße Ihnen von Heike Wenige, Martina Gehlhaus und Katrin Steinert

PS: Falls Sie sich für den Hausherren mit Fell interessieren: https://www.literarischer-katzenkalender.de/aus-der-redaktion/ 🙂 Und den Kalender dazu, den haben wir schon da.

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